OEAEK Jahresbericht 2025_04 - Flipbook - Page 9
digitale Werkzeuge dürfen Ärztinnen und Ärzte
nicht ganz oder weitgehend ersetzen, sondern
sollen sie unterstützen.
Solche Fragen müssen rechtsverbindlich geklärt
werden, damit Ärztinnen und Ärzte in Sicherheit
arbeiten können.
Gefährdungspotenzial droht in dieser Richtung im
Zusammenhang mit den budgetären Nöten der
Regierung. Diese Entwicklungen können die Bereitschaft steigern, medizinisches Personal einzusparen und durch digitale Technologien zu ersetzen. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden,
dass private Investoren verstärkt in die Gesundheitsversorgung drängen, getrieben von 昀椀nanziellen Interessen, die durch den forcierten Einsatz
von Telemedizin und KI noch attraktiver wirken.
Gesundheitsversorgung ist aber kein Markt und
kein Platz für 昀椀nanzielle Interessen. Im Mittelpunkt
müssen der Patient, seine Bedürfnisse und seine
Sicherheit stehen. Daher kann es keine Versorgung ohne Ärztinnen und Ärzte geben, auch wenn
damit Arbeitszeit, Arbeitsplätze und Geldmittel
eingespart werden können. Es müssen bei allem
technologischen Fortschritt immer Ärztinnen und
Ärzte die Letztentscheidung haben.
Und nicht zuletzt müssen sich die Aus- und Fortbildungen von Gesundheitsberufen verstärkt der
digitalen Kompetenz widmen, damit Fachkräfte
mit den Entwicklungen kompetent mithalten können. Durch digitale Kompetenz wird es zu Pro昀椀lveränderungen von Gesundheitsberufen kommen,
und damit zu Veränderungen in der Zusammenarbeit, was auch zur Frage der Letztverantwortung
bei medizinischen Entscheidungen führt.
Digitale Technologien setzen insbesondere im Gesundheitswesen geeignete Rahmenbedingungen
voraus. Das beginnt beim Umgang mit Gesundheitsdaten, die bestmöglich geschützt werden
müssen, damit sie nicht einer konkreten Person
zugeordnet werden können. Auch für den sicheren
Einsatz von KI in der Medizin sind geeignete Rahmenbedingungen wesentlich. Ein Beispiel ist der
European AI Act, der medizinische Diagnosesysteme, Systeme zur Entscheidungsunterstützung
und Patientenüberwachung, digitale Assistenzsysteme und Robotik der Kategorie Hochrisiko KI
zuordnet. Diese Systeme müssen strenge Au昀氀agen erfüllen, bevor sie eingesetzt werden. Solche
Regelwerke müssen ständig aktualisiert und an
die aktuellen Entwicklungen angepasst werden.
KI verändert auch haftungsrechtliche Aspekte.
Auch in der Telemedizin, deren Anwendungsbereiche immer breiter werden, muss die Behandlungsqualität durch geeignete Rahmenbedingungen sichergestellt werden. zunächst bedarf es der
Klärung, welche medizinischen Leistungen überhaupt für Telemedizin geeignet sind. Es muss aus
Sicht der Österreichischen Ärztekammer auch hier
mit medizinischen Leitlinien gearbeitet werden,
die von den medizinischen Fachgesellschaften
entwickelt werden und an denen sich die Leistungserbringer orientieren können. Darüber hinaus
braucht es verbindliche technische Standards, die
einen sicheren Betrieb gewährleisten.
Um die genannten Ziele zu erreichen, gibt es hohen Reformbedarf in der Gesundheitspolitik. Dabei steht die Österreichische Ärztekammer der
Politik und den Sozialversicherungen sehr gerne
als Gesprächs- und Verhandlungspartnerin zur
Verfügung, um die Weichen für die Zukunft unserer bewährten sozialen und solidarischen Gesundheitsversorgung gemeinsam wirksam und in positiver Weise zu stellen. Mit diesem Jahresbericht
blickt die Österreichische Ärztekammer auf das
abgelaufene Jahr zurück und dokumentiert, was
sie im Interesse der österreichischen Ärztinnen
und Ärzte geleistet hat.
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