OEAEK Jahresbericht 2025_04 - Flipbook - Page 8
1. ENTWICKLUNG DES GESUNDHEITSWESENS AUS DER SICHT
DER ÖSTERREICHISCHEN ÄRZTEKAMMER
Steuerung der Zahlungsströme und eine Strukturreform der Krankenanstalten. Diese Ziele sind
grundsätzlich zu begrüßen. Derzeit ist es weder
aus medizinischer noch aus wirtschaftlicher Sicht
zweckmäßig, dass Patientinnen und Patienten auf
Eigeninitiative beliebig Ebenen des Gesundheitssystems in Anspruch nehmen, die es möglicherweise gar nicht gebraucht hätte. Zum Beispiel
ist es widersinnig, dass Leistungen am teuersten
Punkt der Gesundheitsversorgung, den Krankenhäusern, erbracht werden, wenn das auch im niedergelassenen Bereich optimal möglich wäre. Die
Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass der
niedergelassene Bereich entsprechend ausgebaut
wird. Aus Sicht der Österreichischen Ärztekammer
sind mindestens 1.000 zusätzliche Kassenarztstellen notwendig, um die gröbsten Versorgungslücken zu schließen. Mehr Stellen allein werden
aber nicht die Lücken im öffentlichen System
füllen. Denn eine zusätzliche Flexibilisierung der
Kassenverträge, die den Versorgungsnotwendigkeiten und der individuellen Lebenssituation von
Ärztinnen und Ärzten entspricht, ist unabdingbar. Die Optimierung der Patientenwege erfordert
auch eine sinnvolle und vollständige digitale Vernetzung, etwa durch die Integration der Bildbefunde in ELGA.
Optimierungspotential
in der Kassenmedizin
Gerade in der Kassenmedizin gibt es viel Handlungsbedarf. Die Entwicklungen des Jahres 2025
mit dem Finanzierungsloch in der Österreichischen
Gesundheitskasse, einem Anstieg der Wartezeiten
und hunderten unbesetzten Kassenstellen zeigen
das deutlich auf. Die Österreichische Ärztekammer forderte neben der erwähnten Verbesserung
der Arbeitsbedingungen im niedergelassenen Bereich auch eine Strukturreform innerhalb der ÖGK,
besonders bei den großen Ausgabeposten in der
Verwaltung gäbe es hier noch deutliches Optimierungspotential.
Darüber hinaus haben die Österreichische Ärztekammer, die Österreichische Gesundheitskasse,
sowie die Landesärztekammern die Arbeiten an
einem österreichweit einheitlichen Gesamtvertrag wieder aufgenommen. Ziel dieses gemeinsamen Vertrags ist die optimale und moderne
medizinische Versorgung der Bevölkerung in Österreich in einem Sozialversicherungssystem, in
welchem niedergelassene Ärztinnen und Ärzte
gerne arbeiten.
Die Zusammenarbeit erfolgt in einem breit aufgestellten Projektteam und ist von dem Wunsch
nach Partnerschaft und konstruktivem Austausch
geprägt. Wesentliche Handlungsfelder sind die allgemeinen Rechte und P昀氀ichten für Vertragsärzte,
das Leistungsspektrum sowie die Möglichkeiten
für Innovationen und Digitalisierung.
KI in der Medizin
Ein weiterer großer Schwerpunkt ist für die ÖÄK
der sinn- und verantwortungsvolle Einsatz der
Künstlichen Intelligenz in der Medizin. Ärztinnen
und Ärzte sowie ihre Interessenvertretung dürfen sich nicht von den Entwicklungen überrollen
lassen, sondern müssen diese Entwicklung mitgestalten. Mit diesem Tempo und mit dem wachsenden Ein昀氀uss der Digitalisierung in der Medizin
kommen Fragen und Unsicherheiten auf. Es drohen Risiken wie der Missbrauch von Daten, falsche Diagnosen, problematische Therapieempfehlungen, halluzinierende Systeme, oder eine
Enthumanisierung der Medizin. Klar ist dabei für
die Österreichische Ärztekammer, dass moderne
Technologien nicht zu einer Kommunikationslosigkeit, zu einem Ersatz für den Arzt-PatientenKontakt führen dürfen. Telemedizin, KI & andere