OEAEK Jahresbericht 2025_04 - Flipbook - Page 7
1. ENTWICKLUNG DES GESUNDHEITSWESENS
AUS DER SICHT DER ÖSTERREICHISCHEN ÄRZTEKAMMER
Österreich kann auf sein solidarisches Gesundheitssystem immer noch stolz sein. Dass jeder
Mensch jede erforderliche Diagnose und Therapie
auf e-Card bekommt, ist eine Errungenschaft und
erhält auch international umfassende Anerkennung.
Aber dieses bewährte System gerät immer mehr
unter Druck – aus verschiedenen Richtungen. Die
Österreichische Ärztekammer setzt sich daher für
Strukturreformen ein, die dieses soziale und solidarische System auch für die Zukunft absichern.
Das bedeutet zuallererst: Es müssen die begrenzten Ressourcen gerade in Zeiten 昀椀nanzieller
Knappheit klug und ef昀椀zient eingesetzt werden.
Denn ein verantwortungsvoller und optimaler Ressourceneinsatz verbessert die Versorgung, ohne
dass notwendiger Weise höhere Kosten anfallen.
Das beginnt bei der wichtigsten Ressource, die
das österreichische Gesundheitssystem besitzt:
seinen gut 50.000 Ärztinnen und Ärzten, die mit
viel Einsatz das System am Laufen halten und mit
ihrem Engagement viele Lücken und Löcher im
System kaschieren. Diese Lösung ist aus Sicht
der Standesvertretung aber keine zukunftssichere Lösung, sondern ist eher als Raubbau zu bezeichnen.
Auch mit der knappen Ressource der Absolventinnen und Absolventen eines Medizinstudiums
muss ef昀椀zienter umgegangen werden. Der Behandlungsbedarf steigt aufgrund der höheren
Lebenserwartung und des medizinischen Fortschritts, gleichzeitig werden in den kommenden
zehn Jahren knapp die Hälfte der Ärztinnen und
Ärzte das Pensionsalter erreichen. In Kombination
damit, dass bis zu 30 Prozent der Absolventinnen
und Absolventen eines Medizinstudiums in Österreich nicht hierzulande versorgungswirksam werden, ist diese Entwicklung bedenklich.
Um diese Abwanderungen abzufedern, muss Österreich sowohl in den Spitälern als auch in den
Kassenordinationen attraktive, international konkurrenzfähige Arbeitsbedingungen anbieten. Auf
EU-Ebene muss aus Sicht der Österreichischen
Ärztekammer daran gearbeitet werden, dass jedes Land eine für den eigenen Bedarf ausreichende Anzahl von Studienplätzen zur Verfügung
stellt, um Absaugeffekte zu verhindern. Vor der
Implementierung solcher Lösung wäre die oft geforderte Erhöhung der Medizinstudienplätze sinnlos, Österreich würde dann nur noch mehr Ärztinnen und Ärzte für das Ausland ausbilden. Will man
Ärztinnen und Ärzte im Land behalten, müssen die
Rahmenbedingungen des Arztberufs in Österreich
international konkurrenzfähig werden. Darunter
fällt aus Sicht der ÖÄK auch, dass es möglich sein
muss, dass Spitalsärzte auch als Wahlärzte arbeiten
dürfen.
Optimale Patientenwege
durch das System
Ein budgetpolitisches Ziel ist laut Budgetplan
die langfristige Einsparung sowie „Ef昀椀zienzsteigerungen im Gesundheitssystem“ wie eine „zielgerichtete Lenkung der Patientinnen und Patienten durch das Gesundheitssystem“. Angeführt
wird dabei der Ausbau der Gesundheitsberatung
1450 sowie die Einführung eines Anreizsystems
zur Einhaltung der Versorgungspfade ebenso wie
die Stärkung der Telemedizin, eine gemeinsame
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