OEAEK Jahresbericht 2025_04 - Flipbook - Page 29
bzw. Herausforderungen erläutert und gemeinsam
Lösungsvorschläge diskutiert wurden.
Die Bundeskurie niedergelassene Ärzte war auch
2025 wieder mit einer Session und einem Informationsstand bei der dHealth in Wien präsent. Die
Session der Österreichischen Ärztekammer befasste sich mit dem Thema der Patientenreise sowie des digitalen Zwillings. Im Mittelpunkt stünde,
Doppelgleisigkeiten zu vermeiden, das wachsende Wissen durch den medizinischen Fortschritt zu
bündeln und die administrativen Tätigkeiten digital soweit abzufedern, dass mehr Zeit für den Patienten bleibt. Mit einem digitalen Zwilling sollen
Patientendaten digital verarbeitet werden, um mit
der Datenvielfalt ressourcenschonend umzugehen
und den medizinischen Fortschritt an den Patienten zu bringen – immer mit dem Blick darauf, dass
die sensiblen Gesundheitsdaten in öffentlicher
Hand bleiben und beschützt werden.
Automatische Diagnoseerfassung
Die digitalen Entwicklungen werden durch den
Europäische Raum für Gesundheitsdaten (EHDS),
der mit März 2025 in Kraft getreten ist, vorangetrieben. Neben den Primärdaten wird auch die
Nutzung der Sekundärdaten für wissenschaftliche
Zwecke von der EU reglementiert. Eines der wesentlichen Punkte ist eine so genannte „patient
summary“, die vom EHDS gefordert wird. Um diese
umzusetzen, müssen nach einheitlichen Standards strukturierte Diagnosen zentral gespeichert
werden. Ein erster Schritt dorthin sei die verp昀氀ichtende automatische Diagnoseerfassung durch alle
niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Bereits im
Rahmen der Gesundheitsreform 2023 kritisierte
die Österreichischen Ärztekammer, dass ICD-10
als Standard für die Diagnosecodierung nicht geeignet sei. In Kooperation mit der ÖÄK entwickelte die ELGA GmbH die fachlich-terminologische
Grundlage für das so genannte „e-Health Codierservice“. Dieses wird vom Bundesministerium für
Arbeit, Soziales, Gesundheit, P昀氀ege und Konsumentenschutz entwickelt und betrieben, und ist ein
Umsetzungsprojekt der österreichischen eHealth
Strategie. Die strukturierte Sprache der Medizin,
SNOMED CT, wird automatisch mit dem gesetzlich gefordertem ICD-10 verknüpft. Die Bundeskurie setzte sich wiederholt für die Trennung der
Diagnose- von den Abrechnungsdaten ein, nachdem die generierten Daten erstens zu spät für die
Gesundheitspolitik verfügbar gemacht würden
und zweites zu unpräzise für eine Gesundheitsplanung seien, zudem seien Fragen nach dem
Datenschutz offen – letzteres beklagten verschiedene Stellen nach der kurzen Begutachtungsfrist
im Dezember 2025. Letztendlich entschied die
Bundesregierung eine Einführungsphase der Diagnosecodierung bis 1. Juli 2026. Bis dahin erfolgt
eine Evaluierung.
Mit Jahresende hat die Bundeskurie niedergelassene Ärzte gemeinsam mit dem Dachverband der
Sozialversicherungsträger in der so genannten
„Zukunftsvereinbarung“ Rahmenbedingungen für
den digitalen Fahrplan festgelegt. Beschlossen
wurde unter anderem, die neuen Projekte nach
folgenden Kriterien abzuarbeiten: Festlegung des
Projektinhaltes durch Dachverband und Bundeskurie der niedergelassenen Ärzte, Berechnung
der Entwicklungskosten, aber auch der nachfolgenden, laufenden Kosten und Klärung bei Finanzierung unter Einbindung der Softwarehersteller, Erprobung einer Pilotphase, Ausrollung des
Projektes sowie ständig begleitendes Qualitätsmanagement und fortlaufende Entwicklung. Neben der e-Zuweisung wird auch die e-Verordnung
kommen, ebenso ist ein Terminservice-Tool geplant, sowie der Ausbau der Telemedizin. Für die
Diagnosecodierung, die aus vielen Aspekten heraus von der BKNÄ kritisiert wurde, wurde Ende
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