OEAEK Jahresbericht 2025_04 - Flipbook - Page 28
4. NIEDERGELASSENE ÄRZTINNEN UND ÄRZTE
Eine Änderung der Lage wäre nur mit einer Änderung des Gesetzes möglich, nämlich dem Wegfall der Sechs-Kilometer-Grenze, die den Abstand
zwischen öffentlichen Apotheken und ärztlichen
Hausapotheken reglementiert.
Wie aus den Gesprächen mit Gemeindebediensteten auf der Kommunalmesse oder beim Kommunalen Wirtschaftsforum ersichtlich, seien auch
die Zusammenarbeitsformen wie Primärversorgungs-Netzwerke für den ländlichen Raum eine
gute Lösung. Aber auch hier sei rechtlich nicht
geregelt, was mit einer bestehenden ärztlichen
Hausapotheke passiert, kritisiert die BKNÄ. Um
das Risiko des Verlustes bzw. sich einem langwierigen Rechtsstreit erst gar nicht auszusetzen,
würden Ärztinnen und Ärzte die Möglichkeit des
Zusammenschlusses weniger nutzen, was auch
nachteilig für den ländlichen Raum sei. Unverständlich sei auch, dass Primärversorgungseinrichtungen überhaupt keine ärztlichen Hausapotheken führen dürfen – dabei habe genau das die
Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) in ihrem Bericht 2019 empfohlen. In diesem emp昀椀ehlt sie, zusätzlich zu der bereits bestehenden Bestimmung
über die Kooperation der PVE mit öffentlichen
Apotheken, eine Möglichkeit vorzusehen, dass in
PVE selbst auch Hausapotheken geführt werden
dürfen. Dies würde vor allem im ländlichen Bereich einen Mehrwert der ganzheitlichen gesundheitlichen Versorgung bringen.
Kampagne „Medikamentenabgabe
in der Ordination“
Nach dem Verständnis der BKNÄ sollte Gesundheitspolitik die Bedürfnisse der Patientinnen und
Patienten wieder mehr in den Fokus stellen. Ein
wesentlicher Baustein dafür sei das freiwillige Recht
auf Medikamentenabgabe in der Ordination. Eine
Kampagne unter dem Titel „Medikamentenabgabe
auch bei der Ärztin, beim Arzt: patientenfreundlich,
einfach und diskret“ wurde im Herbst 2025 gestartet, um das Bewusstsein für dieses Thema zu stärken. Dabei setzte das Referat für Hausapotheken
und Medikamentenangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer auf einen Medienmix aus
Print, Online und interner Bewerbung durch Ordinationsplakate (siehe S. 27).
Mit der Online-Kampagne wurden rund zwei Millionen User erreicht, die Sujets wurden etwa zehn
Millionen Mal angesehen. Es wurden ganz konkrete standespolitische Themen mit einer hohen
Relevanz für die Bevölkerung zu den Meinungsbildnern transportiert, zeigte sich die BKNÄ zufrieden.
Digitalisierung
Ob der Europäische Raum für Gesundheitsdaten
(EHDS), die Anbindung der Wahlärzte an das eCard-System oder die Diagnosecodierung – auch
2025 gab es im Bereich der Digitalisierung einige
Themen, mit denen sich die BKNÄ intensiv auseinandergesetzt hat. Auch die Österreichischen
Ärztezeitung berichtet seit Mai 2024 in einer eigenen Serie zu den Themenfeldern eHealth und
Digitale Medizin. Die BKNÄ betont diesbezüglich stets, dass digitale Tools für Ärztinnen und
Ärzte einen klaren Mehrwert haben müssen und
keinen zusätzlichen administrativen Aufwand bedeuten dürfen. Dies sei nur gewährleistet, wenn
die Anwenderinnen und Anwender auch in die
Entwicklung eingebunden werden. Dass eine fehlende Kooperation mit den Anwenderinnen und
Anwendern zu Chaos führt, hat das Aus vom Fax
ohne adäquate digitale Lösung Anfang des Jahres
2025 gezeigt. Aufgrund der zahlreichen Probleme hat die Österreichische Ärztekammer als Reaktion einen Faxablösegipfel organisiert, an dem
zahlreiche Beteiligte teilnahmen und Probleme